Das his­to­ri­sche Gebäude

Aus dem 21. Jah­res­be­richt des Herzog Ernst-Seminars (1891)
Verfasser: A. Zeys

Luftbild vom Schulhaus aus dem Jahre 2007

"Das in der süd­west­li­chen Vorstadt Gothas an der Rein­hards­brun­ne­stra­ße gelegene Herzog-Ernst-Seminar ist in der Zeit von Juni 1885 bis September 1888 nach dem Plane des Herrn Baurat Griebel mit einem Aufwand von rund 444 400 RM (inkl. 31 600 RM für Grund­er­werb) erbaut worden.

Der Grundriß hat annähernd die Gestalt eines liegenden E von 62,16 m Länge und 17 m Tiefe, während die gleich dem Mittelbau in der Front als Risalite vor­sprin­gen­den 11 m breiten Flügel dem Bauplatze ent­spre­chend 25,87 m und 30,71 m lang sind. Das in deutscher Re­nais­sance als Back­stein­roh­bau aus­ge­führ­te Gebäude ruht auf einem breiten Be­ton­fun­da­ment, besteht aus einem So­ckel­ge­schoß, drei Stock­wer­ken und einem lou­vre­ar­ti­gen Dache und hat bis zu dem von Lö­wen­kopf­kon­so­len ge­tra­ge­nen Dach­ge­sims im Mittelbau 19,80 m, sonst 17,20 m Höhe, während die Ge­samt­hö­he des Mit­tel­baus 29 m, der Zwi­schen­baue 23 m und der Flügel 26,60 m beträgt.

Das So­ckel­ge­schoss stellt eine Rustika dar, in Zement aus­ge­führt, ebenso wie die Gurtge­sim­se, die Fens­ter­ein­fas­sun­gen und die Qua­der­lise­nen der drei Stock­wer­ke. An der reich de­ko­rier­ten Vor­der­sei­te zeichnet sich der Mittelbau durch be­son­de­ren Schmuck aus. Er zeigt auf einem acht­stu­fi­gen Trep­pen­vor­bau einen vier­säu­li­gen, mit Basen gekrönten Portikus von 7 m Höhe und im zweiten Stock zwischen Pfei­lerar­ka­den die hohen Bo­gen­fens­ter des Fest­saa­les, über welchem ein mit he­ral­di­schen Figuren und dem Her­zog­li­chen Wappen ge­schmück­tes Uhr­fron­tispiz das Ganze ab­schließt. Das Dach ist mit Le­hef­te­ner Schiefer und Bret­ter­ver­scha­lung gedeckt. Vom Portikus führen drei Türen in die Ein­gangs­hal­le und von da zehn Stufen zu dem durch Pen­del­tü­ren ab­ge­schlos­se­nen Korridor, von wo aus man in dem hellen Trep­pen­hau­se auf einer zwei­ar­mi­gen auf I-Trägern ruhenden Treppe nach dem Kel­ler­ge­schoss und den oberen Stock­wer­ken bis zum Dach­ge­schoss gelangt.

Historischer Grundriss des Schulgeländes

Außer dieser Haupt­trep­pe führen in jedem Zwi­schen­bau, sowie im west­li­chen Flügel je eine feu­er­si­che­re und rauch­freie Treppe vom So­ckel­ge­schoss bis auf den Boden. Die lichten Höhen der Räume betragen - im So­ckel­ge­schoss 3,20 m, im Erd­ge­schoss und ersten Stocke 4 m, im 2. Stock 4,28 m, in der Mansarde 3,08 m, in den Schlaf­sä­len 6,40 m und im Festsaal 8m. Sämtliche Treppen, die Fußböden und Decken der unteren Geschosse, sowie die des oberen Korridors zwischen den beiden Schlaf­sä­len, und der Abschluss des Haupt­trep­pen­hau­ses sind aus Beton zwischen 1-Trägern aus­ge­führt, in den übrigen Räumen des Dach­ge­schos­ses aus Kreuz­ver­stakung zwischen Bal­ken­la­gen.

[...]

Das für ein sechs­klas­si­ges Seminar, eine vier­klas­si­ge Übungs­schu­le und 80 Alumnen angelegte Gebäude enthält folgende Räum­lich­kei­ten mit 30615 cbm.

Historischer Grundriss des Schulhauses - Sockel- und Erdgeschoss
  1. Unter dem Sockelgeschoss: einen frostsicheren Keller für die Lehrer und den Hausmeister
  2. Im Sockelgeschoss: die Wohnräume des Hausmeisters und seiner Dienstleute, das Zimmer des Heizers, einen Baderaum mit acht Brausen nebst Ankleidezimmer mit Lattenbelag, fünf Kaloriferen, Räume für Brennmaterialien der Anstalt und der Lehrer, die Wasch- und die Alumnats-Küche nebst Aufwasch- und Vorratsraum
  3. Im Erdgeschoss: Über der Küche und mit ihr durch einen Aufzug verbunden den Speisesaal mit 4 Tafeln, daneben das Anrichtezimmer mit Schrank für Tischwäsche und einem gut ventilierten Speiseschrank mit verschließbaren Fächern für die Schüler, zwei Seminar- und vier Seminarschulklassen, ein Zimmer für die Lehrer und Lehrmittel der Seminarschule, das Dienstzimmer des Hausmeisters und hinter einem Glasabschluss die Wohnung des verheirateten Lehrers, endlich im westlichen Flügel die Aborte und Rinnen für die Seminarschüler; darüber
  4. Im ersten Stock: den Abort der Seminaristen, vier Seminarklassen, ein Prüfungszimmer, nach Norden einen mit abgeschrägten Tischen und vier großen Wandtafeln ausgestatteten Zeichensaal mit einem Zimmer für Modelle, Zeichenbretter und Zeichnungen, die Bibliothek, ein Lehrer-, ein Konferenz- und das Direktorzimmer nebst Archiv und die Direktorwohnung.
  5. Im zweiten Stock: zwei Orgelstuben, einen Musiksaal mit Orgel und Flügel, das Physikzimmer mit terrassenförmig aufsteigendem Podium und anstoßendem Lehrmittelzimmer, fünf Schülerwohnstuben von denen vier für 9, 15, und zweimal 18 Schüler eingerichtet sind, eins aber vorläufig zur Aufstellung naturgeschichtlicher Lehrmittel dient, den Festsaal, mit großem Orgelraume und einem kleineren Nebenraume für einen Teil des Podiums, zwei Reserveräume und hinter einem Glasabschlusse zwei Krankenstuben mit dazwischenliegendem Baderaume, sowie die aus Stube und zwei Kammern bestehende Wohnung des unverheirateten Lehrers
Historischer Grundriss des Schulhauses - zweites Geschoss
  1. Im Dachgeschoss: sieben Klavier-, zwei Schrankzimmer, einen Putzraum mit Schuhregalen, zwei Schlafsäle (252 und 190 qm, bei einem jeden einen Nachtabort) und zwei Waschzimmer, sowie zwei Geräteräume.
  2. Auf dem Hausboden: unter anderem einen Verschlag mit verschließbaren Abteilungen für die schmutzige Wäsche der Schüler."
Historischer Grundriss des Schulhauses - Dachgeschoss