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„Geboren in Auschwitz“

„Geboren in Auschwitz“ – ein Zeugnis über die dunkelste Zeit Deutsch­lands

  12.10.2021

Es waren Säuglinge, Kinder, Schüler, Ju­gend­li­che, Frauen und Männer, deren Schick­sa­le zu den schlimms­ten der Ge­schich­te zählten. Mit diesen Schick­sa­len wurden die Neunt- und Elft­kläss­ler im Rahmen des Ge­schichts­un­ter­richts kon­fron­tiert, also sie am Freitag, dem 8. Oktober 2021 die Aus­stel­lung „Geboren in Auschwitz“ im Tivoli besuchten. Ergänzt wurde der Rundgang durch einen Vortrag von Alwin Meyer (geb. 1950), der die Aus­stel­lung gestaltet hatte.

Seit 1972 sucht Meyer nach Menschen, die als Kinder oder Ju­gend­li­che Opfer des Holocaust und in das KZ Auschwitz-Birkenau ver­schleppt wurden. Bis heute fand er 80 Be­trof­fe­ne, die während ihrer Kindheit die Grau­sam­kei­ten des Mas­sen­ver­nich­tungs­la­gers am eigenen Leibe erfuhren. Meyer sieht es als seine Le­bens­auf­ga­be, die tra­gi­schen Le­bens­ge­schich­ten der „Kinder von Auschwitz“ vor der Ver­ges­sen­heit zu bewahren.

Bereits vor dem Vortrag über die „Kinder von Auschwitz“ machte sich eine bedrückte Stimmung breit. Viele Schüler ver­setz­ten bereits die Inhalte der Aus­stel­lungs­ta­feln in tiefstes Entsetzen. Als der Vortrag begann, setzte eine absolute Stille ein. Alwin Meyer be­rich­te­te über Kinder, welche „den Tod besser als das Leben kannten“. Zwischen 1940 und dem 27. Januar 1945, dem Tag der Befreiung des Lagers, wurden durch die Nazis ca. 1,3 Millionen Menschen nach Auschwitz-Birkenau ver­schleppt. Von diesen waren rund 232.000 Kinder und Ju­gend­li­che im Alter von bis zu 17 Jahren. Nur 750 von ihnen konnten am 27. Februar 1945 gerettet werden.

Eines von diesen Kindern war Jürgen Loewen­stein. Als er ver­schleppt wurde, ahnte er nicht, was mit ihm geschehen sollte. Er sagte später: „Damals hörte meine Kindheit auf. Ich war noch keine acht Jahre.“ Mit ihm teilten viele das gleiche Schicksal, für welche die „Zeit des Spielens und Lesens endgültig vorbei war“. Alle diese Kinder über­leb­ten zwar Auschwitz, verloren jedoch meist Eltern, Ge­schwis­ter oder sogar ihre gesamte Familie verloren. Es waren tiefe Narben, welche Auschwitz bei diesen Kindern hin­ter­ließ. Es ist er­staun­lich und be­wun­derns­wert, dass viele dieser Kinder wieder neuen Mut fanden – sie „lernten zu leben, vergaßen Auschwitz aber nie“.

„Ja, uns hat es gegeben. Vergesst uns nicht!“

Die Schüler konnten, was sie da hörten, kaum fassen. Dass der Vortrag auf großes Interesse stieß, bewies die dar­auf­fol­gen­de Ge­sprächs­run­de. „Dieses Leid, dieses un­vor­stell­ba­re Elend ist un­be­greif­lich“, äußerte ein Schüler. Eine Mit­schü­le­rin, welche bereits in der Aus­stel­lung sehr betroffen, sprach tief berührt: „Stell dir vor, du hast so eine Kindheit, das muss un­be­schreib­lich schreck­lich sein. So etwas darf nie wieder passieren.“

Viele waren sprachlos. Viele waren er­schro­cken. Alle aber waren tief ergriffen.

Pascal Paetsch (16), Schüler der KGS Herzog Ernst

 

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