Für Autonomie, Selbstbestimmung und Lebensfreude
27.09.2026
Für Autonomie, Selbstbestimmung und unbeschwerte Lebensfreude
Während an der KGS die Wahlen zu den Kreisschülersprechern durchgeführt wurden, fand parallel für den Leistungskurs Geschichte 12 und interessierte Oberstufenschüler eine spannende und bezüglich des Themas Selbstbestimmung korrespondierende Veranstaltung statt.
Der Leipziger Buchautor und Historiker Sascha Lange referierte ausgehend von der Entwicklung von Jugendbewegungen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik über Jugendkultur und -opposition im Nationalsozialismus. Trotz des Verbots linker Jugendgruppen und der Gleichschaltung weiterer Organisationen bildete sich eine breite Szene heraus, die sich dem System mit eigenem Dresscode, eigenen Liedern und eigener Freizeitgestaltung entzog und teils sogar in direkte Konfrontation mit der Hitlerjugend ging – auch in Gotha.
Die Zuhörer waren erstaunt, dass sich die Jugendlichen trotz des harten Vorgehens der Behörden gegen Mitglieder der losen Gruppierungen - u.a. Edelweißpiraten, die sog. Meuten, Fahrtenstenze sowie insbesondere die Swing-Jugend - Räume für selbst bestimmte Freizeit schaffen konnten und das System in verschiedenen Bereichen sogar nachgeben musste. So wurde z.B. Swingmusik offiziell zwar nicht gespielt, aber auch nicht landesweit verboten und es wurden weiterhin Schallplatten verkauft.
Sascha Lange illustrierte seinen Vortrag nicht nur mit interessantem Bildmaterial. Er packte auch das Spotify der 1930er Jahre aus – mit einer Kurbel brachte der Historiker ein Koffergrammophon in Gang und legte eine Swing-Schallplatte auf. Nicht nur die Musik hatte Schwung, auch die an den Vortrag anschließende Debatte, bei der die Schüler das Gehörte auf ihre Gegenwart bezogen und sich einig waren, dass das Leben Spaß machen soll, dafür aber auch Engagement und Eigeninitiative notwendig sind.
Vielen Dank an den Bildung Vereint e.V. Gotha, der die Lesung vermittelte.
Text und Bilder: F. Wiegand