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Spinnst du noch oder webst du schon?

Spinnst du noch oder webst du schon? Ein Ausflug in die In­dus­trie­ge­schich­te

  20.12.2018

Der wich­tigs­te Mann im Betrieb war der Heizer, erfuhren die Elft­kläss­ler der Herzog-Ernst-Ge­samt­schu­le bei ihrer Exkursion von Mu­se­ums­füh­rer Wolfgang Zerrenner. Früher brachte der Heizer die Dampf­ma­schi­ne in Gang, die über Trans­mis­si­ons­rie­men die komplette Pro­duk­ti­on im Betrieb er­mög­lich­te. Als Heizer anderer Art waren Zerrenner und seine Kollegin Silvia Schumann vom Crim­mit­schau­er Tex­til­mu­se­um an diesem Tag im Einsatz – mit ihrer in­ter­es­san­ten Führung brachten sie den Wis­sens­durst der Schüler richtig in Schwung.

Das Museum in der ehe­ma­li­gen Tuch­fa­brik Gebr. Pfau ist ein wahres in­dus­trie­ge­schicht­li­ches Schmuck­stück und einmalig in Mit­tel­eu­ro­pa. Aliya Bauer staunte: „Hier kann man den kom­plet­ten Pro­duk­ti­ons­ab­lauf der Tex­til­her­stel­lung nach­voll­zie­hen – Flocken, Krempeln, Spinnen, Zwirnen, Weben, Färben, Walken, Scheren – und vor allem aber die Maschinen in Funktion sehen.“ Letzteres be­ein­druck­te Anne Steinborn besonders: „Der Rhythmus der Maschinen und der Geruch haben etwas Spe­zi­el­les und Äs­the­ti­sches. Man muss für dieses Empfinden aber das Wissen über die ka­ta­stro­pha­len Ar­beits­be­din­gun­gen aus­blen­den.“ Lange Ar­beits­zei­ten und Kin­der­ar­beit waren früher normal. Außer den In­for­ma­tio­nen über die Ar­beits­pro­zes­se, über die sozialen Ver­hält­nis­se und über die Um­welt­fol­gen der Tex­til­pro­duk­ti­on erfuhren die Schüler nebenbei viele kleine Details und Anekdoten: 1903/04 fand in Crim­mit­schau der größte und längste Streik im Kai­ser­reich statt. 8000 Menschen waren dabei 22 Wochen im Ausstand. Die Staats­macht ging mit aller Härte gegen sie vor. Wie aber konnte sie z. B. auf legalem Wege Streik­pos­ten vor den be­trof­fe­nen Betrieben verbieten? Mu­se­ums­päd­ago­gin Marion Kaiser verriet: Man erklärte sie einfach zu Ver­kehrs­hin­der­nis­sen,

Zum Abschluss der Führung meinte Zerrenner au­gen­zwin­kernd: „Jetzt ist der Riemen runter! Woher kommt dieser Spruch ei­gent­lich? – Aus der Tex­til­in­dus­trie: Zum Ar­beits­schluss wurde früher der Trans­mis­si­ons­rie­men von der Maschine genommen.“

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